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Schlaraffenland ist abgebrannt – die Zufriedenheitsfalle

Wir leben in der Zeit des Aufschwungs. Selbstverständlich ist das erst einmal erfreulich. Was mich jedoch sehr nervös macht, ist diese Art der Zufriedenheitsfalle, in der so viele aktuell gefangen sind. Und es ist die Gewissheit, dass es wieder eine Zeit des Einbruchs geben wird. Es ist nicht so, dass ich alles schwarzmalen möchte. Es ist vielmehr die Tatsache, dass ich schon so vieles erlebt habe und mir meine Erfahrung sagt: Die nächste Krise kommt bestimmt.

Neulich abends kam ich ins Gespräch mit einem Immobilienmakler, der mit seinen 30 Lebensjahren noch nicht erfahren hat, wie es ist, wenn etwas untergeht. Seit 10 Jahren im Geschäft kennt er nur den Aufschwung. Ich habe ihm davon berichtet, was vor seiner aktiven Zeit alles passiert ist, was er sich so nicht vorstellen konnte – was ich jedoch bereits erlebt habe: den ersten Golfkrieg, den zweiten Golfkrieg, 9/11 und die Pleite der Lehman Brothers. Und jetzt stehen wir mitten in unserem Schlaraffenland und haben uns daran gewöhnt.

In der Vergangenheit habe ich es bereits mehrfach erwähnt und erst kürzlich wieder bei einem großen Kunden. Tatsache ist: Es geht uns gut, ja, jetzt brauchen wir nur noch alle handeln, bevor uns der nächste Crash einholt!

Die erste Zufriedenheitsfalle: Der eigene Erfolg

Häufig suchen Unternehmen dann Rat, wenn es abwärts geht. Im Moment plagen diese meistens eher Sorgen um die Prozessabwicklung, die Verspätung einer neuen Serie oder auch einschränkende Vorgaben beim Launch eines neuen Produkts im Ausland. Doch möchte ich die Wirtschaft unbedingt wachrütteln, dass sie sich jetzt auf zentrale Herausforderungen einstellt. Nicht erst dann, wenn alles bereits in vollem Gang ist.

Es gibt viele Experten, die sagen, wir müssen vorsichtig sein, dass wir in der digitalen Welt nicht den Anschluss verpassen. Alles darin begründet, weil es uns so gut geht, weil unsere Wirtschaft boomt, weil wir gigantischen Maschinenbau haben, weil wir trotz Dieselkrise so viel Autos verkaufen, wie noch nie. Das lenkt aber von der großen Herausforderung der Wirtschaftsgeschichte ab. Mit der Digitalisierung wird es wenige Gewinner und viele Verlierer geben. Kaum jemand sieht den dramatischen Paradigmenwechsel. Wir müssen heute davon ausgehen, dass ich Zukunft 47% der Standards und damit Menschen digital ersetzt werden. Ich sehe es als einzigartige Chance jetzt die richtige Zukunftsstrategie zu entwickeln.

Der größte Erfolg ist der Beginn des Abschieds

Erfolge sind da, um sie zu feiern. Nichts anderes sollen Unternehmen auch tun. Was ich früher schon meinen Kunden – und auch anderen – prophezeit habe: An dem Tag, an dem Sie Ihren größten Erfolg feiern, feiern Sie gleichzeitig auch den ersten Tag Ihres Abschieds. Das bedeutet, dass es jedem bewusst sein muss, dass nach jedem Aufschwung auch wieder einen Abschwung geben muss. Die Wirtschaft kann nicht unweigerlich wachsen. Leider wollen das die wenigsten wahrhaben.

Menschen lieben die Sicherheit. Sicherheit gibt ein gutes Gefühl für die Zukunft. Andererseits macht Sicherheit auch zu sicher, Gefahren werden zu spät erkannt und notwendige Handlungen zu spät in die Wege geleitet. In einem Punkt können wir jedoch sicher sein: Nach dem Aufschwung kommt der Abschwung.

Der Crash kommt – die Frage ist: Wann?

Ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten 1000 Tagen den großen Crash erleben werden. Bereits heute sind wir im 10ten Jahr des Aufschwungs. Zwar bin ich mit dieser Aussage im Moment noch relativ alleine, aber es gibt ein paar andere Experten, die auf dem Gebiet viel profunder agieren und ähnlich argumentieren.

Im August 2001 habe ich mein Buch mit dem Titel “Machtschock” veröffentlicht, ein Roman über das Ende des Managements, wie wir es kennen. Damals gab es einen Unternehmer, der mich fragte, wie ich die Zukunft sehe. Ich antwortete, dass es aus meiner Sicht im August 2001 zu einem der größten Crashs kommen wird, den wir uns vorstellen können. Ein paar Tage später war der 11. September, alles trat ein.

So hatte ich damals mit meiner – ja man kann schon fast sagen – Vorhersage Recht behalten. Es sollte ein zweites Mal passieren. Ein paar Tage vor der Lehman Brothers Pleite fragten mich Leute aus einer deutschen Bank, wie ich die Situation sehe. Aus meiner Sicht stand ein Knall kurz bevor. Und auch das war dann eingetreten. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich eine ähnliche Situation jetzt auch nochmal ergeben wird, auch wenn ich jetzt im Augenblick noch ziemlich alleine dastehe. Aus meiner Sicht ist Zufriedenheit die größte Bremse für Fortschritt.

Die Historie bringt es ans Licht

Nach 9/11 war der Börsenkurs um rund 30% gecrasht. Danach hat es tatsächlich 7 Jahre gedauert, bis die meisten wieder auf ähnlichem Niveau waren und dann ist der wieder um 30% zurückgegangen. Meine Prognose ist, der Börsenkurs kann in der Krise um 50% chrashen. Die Auswirkungen dessen können wir nur erahnen. Durch die Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank wird eine trügerische Sicherheit vermittelt, die einer Zündschnur gleicht, die immer heller brennt. Was wir jetzt oben mehr haben, wird demnächst entsprechend mehr nach unten gehen. Doch was passiert? Nichts. Die Menschen schlafen weiterhin in ihrem Schlaraffenland. Sie ruhen sich aus in dieser schönen Welt, weil sie sich so sehr daran gewöhnt haben.

Eine Freundin sagte mir: Stimmt! Wir leben in einer Mega Blubber Blase. Und ich möchte, dass es immer so bleibt!

Geschäftsmodelle werden angegriffen und zerstört

Alles läuft … noch. Irgendwie. Niemand bekommt mit, dass es einen akuten Handlungsbedarf gibt, der aktuelle Geschäftsmodelle infrage stellt. Geschäftsmodelle werden sogar angegriffen, unter anderem über die digitale Welt, jedoch auch über andere Konstellationen. Einer der Begriffe, welcher im Moment einen absoluten Hype erfährt, ist der Begriff der agilen Unternehmen – also solche, die in extremem Maße agil agieren. Wer kann es sich leisten, weiterhin so selbstzufrieden zu sein? Mein Buch „Machtschock“ beschrieb 2001 mit 7 Schritten das Programm zum Aufbau eines agilen Unternehmens.

Wenn ich in die Augen mancher Entscheider schaue, der seine Tantiemen kassiert, sich selbstzufrieden zurücklehnt und von sich behauptet, alles im Griff zu haben, bekomme ich Angst.

Dass sich das Ausruhen auf früheren Erfolgen genau ins Gegenteil entwickeln kann, hat die Politik etlicher Unternehmen gezeigt, die entweder im letzten Moment nach viel Umstrukturierung strategisch komplett umgebaut wurden (siehe Karstadt) oder auch ganz vom Markt verschwunden sind, weil sie die Zeichen der veränderten Kundenanforderungen zu spät erkannt haben (siehe Neckermann). Oder nur durch Übernahme gerettet wurde (NOKIA).

Niemand hat heute die Garantie, dass er auch in 10 Jahren noch mit seinem Business auf dem Markt sein wird!

Jeder muss vorbereitet sein

In den 37 Jahren als Berater habe ich immer wieder eine Sache durchweg erlebt: Die Unternehmen, die sich auf eine Veränderung eingestellt haben, rechtzeitig vorher neue Dinge getan und sich neu erfunden haben, konnten in einer solchen Situation dann natürlicherweise profitieren. Wer damals im Sinne meines Buchs „Machtschock“ das agile Unternehmen umgesetzt und die darin beschriebenen sieben Schritten vollzogen hat, konnte der anschließenden 9/11-Krise trotzen und hat besser dagestanden als alle anderen. Der hatte eine Chance.

Was, wenn niemand Change mag?

Sich auf etwas vorbereiten, bedeutet, etwas an den aktuellen Gegebenheiten verändern zu müssen. Allerdings gehört Veränderung zu einem der schlimmsten Themen für Menschen. Veränderung bedeutet, Gewohntes und Liebgewonnenes aufgeben zu müssen für etwas, wovon noch keiner sagen kann, ob es gut sein wird. Ich bin felsenfest davon überzeugt, wer jetzt nicht anfängt zu handeln und sich vorzubereiten, wird sich auf die Zukunft einstellen müssen, die noch mehr Überraschungen bringt.

Aktuell führen Unternehmen wieder vermehrt Kundenzufriedenheitsstudien durch. Dafür nehmen sie meist eine große Geldsumme in die Hand. Eine solche Vorgehensweise birgt jedoch ein großes Risiko: Der Kunde ist aber nur deswegen zufrieden, weil er keine Alternative kennt. Also ist es auf Kundenseite eine extreme Zufriedenheitsfalle bei den Unternehmen, denn diese sind sich ihrer Sache sehr sicher. „Schauen Sie mal, Herr Geffroy, ich weiß gar nicht, was Sie wollen. Schauen Sie sich mal die Zufriedenheitsstudien unserer Kunden an!“ Bis jemand anderes mit einer Superidee um die Ecke kommt und das Spielfeld komplett neu aufmacht. Beispiele hierfür sind Uber und Airbnb. Plötzlich ist da jemand, der etwas liefert, was die Kunden sich so bisher gar nicht vorstellen konnten. Sie kannten es schlicht und ergreifend bisher nicht.

 

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